Lutz Brien rezensiert „Die Ästhetik des Scheiterns“

July 30, 2017

 

 

 

Die Ästhetik des Scheiterns – von einem integrierbaren Widerspruch

 

Es ist kein heiteres Buch, das Florian Arleth da geschrieben hat. „Die Ästhetik des Scheiterns“ (Brot und Kunst Verlag, 2016) dekliniert in drei Teilen Ausschnitte aus dem Leben des Dichters, die auf verschiedene Weisen das Scheitern zum Thema machen. Dass dies dennoch keine bloße Jammerei bedeutet, ist seinem ästhetischen Willen geschuldet, der betrübende und enttäuschende Erfahrungen in eindringliche Sprache fasst. In ihrer Präzision und Coolness erhebt sie sich über den „bittere(n) Bodensatz der Existenz“. Eine karge Lebenslandschaft wird da sichtbar, der die Selbstbestimmung in präzisen, nüchternen Worten abgerungen ist.Das Buch wird dem Leser nicht auf einmal zugänglich, die poetische Leistung wird durch mehrmaliges, genaues Lesen sichtbar. Die Ästhetik dieser Erfahrung findet einen starken Widerhall im fotografischen Hintergrund der Seiten, auf den die Zeilen gedruckt sind; genauestens köharent zum Text verstärken sie dessen Inhalt und verleihen ihm eine zusätzliche Dimension. Der hintere Abschnitt des Buches bietet eine Auswahl an Buchcovern und grafischen Elementen mit erläuternden Zusätzen aus der Verlagsgeschichte des Brot und Kunst Verlags. Hier wird Ästhetik bildlich noch einmal fassbar, ein Katalog des grafischen Einfallsreichtums aus einem reichen Fundus.Eine Ästhetik des Scheitern ist in sich schon ein Widerspruch, denn etwas Ästhetisches ist etwas Gelungenes, und zwar etwas Schönes und Harmonisches. Die Spannung dieses Widerspruchs durchzieht diesen kunstvoll gestalteten Band. Die Ästhetik ist einem Thema abgerungen, das für sich genommen sich solch einem Anspruch sperrt. Aufs Ganze gesehen, ist dieses Buch eine Verweigerung des depressiven Potentials, das dem Scheitern innewohnt. Schwieriger Erfahrung Form geben, trotz allem, und der Kunst treu bleiben, wenn auch unter weniger als idealen Bedingungen: Dieses Gelingen kann das Scheitern integrieren.

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