Brian Laurins Streifzüge durch Literatur und Leben - Kolumne 11

Sich gemein machen mit dem Hass Vor langer Zeit las ich Gustave Flauberts „Frau Bovary“; ich war vielleicht 15 und mich faszinierte an dem Roman vor allem die Sprache, der präzise Einsatz des „richtigen (passenden) Wortes“, der Fluss der Erzählung. Als ich mir jetzt diesen besonderen Roman wieder vornahm, verblüffte mich etwas Anderes: die grausame Vivisektion der bürgerlichen Schicht, die voll subtilem Hass als Inbegriff der Blödheit und Borniertheit porträtiert wird. Der Arzt Bovary, der sich sein Diplom durch stures Auswendiglernen erarbeitet hat und aus Ruhmsucht und pekuniärem Interesse als unfähiger Chirurg eine experimentelle Operation am Klumpfuss eines einfältigen Wirtschaftsbediens

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