Brian Laurins Streifzüge durch Literatur und Leben - Kolumne 12

Die Existenz geht der Essenz voraus Antoine Roquentin, Gelehrter, schreibt in dem Städtchen Bouville in Frankreich vor dem Zweiten Weltkrieg an einem Buch über eine historische Persönlichkeit. Er beginnt, Tagebuch zu führen, weil er seltsame Wahrnehmungen erlebt, die er verschriftlichen will. Im Laufe der Zeit steigern sich seine Wahrnehmungsveränderungen, die mit einem Gefühl des Ekels einhergehen, bis er die Erfahrung „nackter Existenz“ macht. Das heißt, er nimmt seine Umgebung ohne Zuschreibungen und Benennungen wahr, er ist konfrontiert mit der schieren Dinghaftigkeit der Objekte. Diese Erfahrung führt ihn zu bestimmten Schlüssen, nämlich dass die Existenz ohne Sinn ist und dass jegliche

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